Dienstag, den 19. Juni 2018

Zufriedenheit bei Arbeitnehmern in Mini-Jobs?

Arbeitsmarkt


Mini-Jobs seien bei den Arbeitnehmern beliebter als allgemein angenommen. IW Köln kommt zur Erkenntnis, dass vor allem Frauen mit ihrer prekären Beschäftigung überwiegend Zufriedenheit empfänden.

Mini-Jobber seien zufriedener als behauptet

BRD-Raubzug

Geringes Einkommen, dennoch zufrieden?

Dass sich Arbeitnehmer Tätigkeiten wünschen, die gut bezahlt, interessant und sicher sind, sei zu erwarten. Die Mini-Jobs scheinen mit diesen Eigenschaften im Widerspruch zu stehen. Für das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln sei es aber überraschend, dass die Mehrheit der Arbeitnehmer lt. einer nicht-repräsentativen Umfrage der IG Metall die Beseitigung der geringfügigen Beschäftigung wünschten. Empirische Befunde sagten etwas ganz anderes aus, so IW.

Das Statistische Bundesamt lieferte die Angaben, dass 27 Prozent der befragten Mini-Jobber gerne mehr Arbeit leisten würden, wenn dafür eine passende Tätigkeit parat stünde. Demnach seien 48 Prozent mit ihrer Arbeitszeit zufrieden und 25 Prozent wollen oder können aus persönlichen Gründen nicht mehr Arbeit leisten.

IW zweifelt daran, ob die im prekären Arbeitsbereich Tätigen ein Interesse daran haben, künftig Beiträge an die Sozialversicherung abzuführen, wie andere sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer auch. Mehr als 80 Prozent der Mini-Jobber machten seit 2013 von der Möglichkeit Gebrauch, sich von der Pflicht zur Rentenversicherung befreien zu lassen. Angesichts der nur geringen Leistungen sei dies verständlich, so IW.

Mini-Jobber seien mit ihrem Arbeitsplatz lt. einer Studie des Bundesfamilienministeriums durchaus zufrieden. Über 80 Prozent der prekär beschäftigten Frauen sehen demnach ihr Tätigkeitsfeld ausdrücklich nicht als eine berufliche Sackgasse.

IW kommt daher zur Erkenntnis, dass Mini-Jobber zufriedener seien als behauptet.

Missverständnis oder einfach nur übersehen?

Die vom Bundesfamilienministerium erstellte Studie „Frauen im Minijob“ enthält allerdings auch folgende Aussage:

„Die objektiven Verlaufsdaten haben gezeigt, dass Minijobs pur Klebeeffekte haben, zur Dauererwerbsform werden, de facto nur selten als Brücke in den regulären Arbeitsmarkt funktionieren, sondern im Gegenteil sogar in den Ausstieg aus dem Arbeitsmarkt bzw. in eine dauerhaft geringfügige Beschäftigung führen. Minijobs sind faktisch ein Risiko für die weiteren Erwerbschancen auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Offenbar überwiegt beim IW das „postfaktische“ Empfinden der betroffenen Frauen den empirischen Erkenntnissen der selben genannten Studie.




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