Mittwoch, den 14. November 2018

ifo-Chef warnt vor „schwersten Auseinandersetzungen“ in Eurozone

Eurokrise


Der Chef des Münchner ifo Instituts Clemens Fuest warnt vor den Folgen der hohen Schuldenquote Italiens. Dies könne Märkte in Panik versetzen und zu „schwersten Auseinandersetzungen“ innerhalb der Eurozone führen.

Euro-Spalter

Der Euro wird sich noch als Spaltpilz Europas entpuppen

Märkte dürfen nicht in Panik versetzt werden

Die wirtschaftlichen Probleme des Euro- und EU-Mitgliedslandes Italien bleiben im Fokus der Medien und Wirtschaftswissenschaftler. Italiens Haushaltspläne wurden von der EU-Kommission abgeschmettert, da die geplante Neuverschuldung nicht des Statuten des Maastrichter Vertrags entsprachen. In Italien befinden sich innerhalb der Eurozone die Banken mit dem größter Berg an faulen Krediten und Italiens Schuldenquote liegt derzeit bei knapp 132 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Sollte Italiens Staatshaushalt in den Konkurs schlittern, so wäre die EU für einen solchen Fall schlecht gerüstet, so der Chef des Münchner ifo Instituts Clemens Fuest zum Nachrichtenportal t-online.de. Auf Dauer könne sich kein Land eine Staatsverschuldung von über 130 Prozent des BIP bei einer wirtschaftlichen Stagnation leisten. Auf kurzfristiger Sicht liege das größte Risiko in einer Panik am Kapitalmarkt. Dies könne schnell in einen Staatsbankrott münden, so der ifo-Chef. Eine Finanzmarktkrise könne „schwerste Auseinandersetzungen in der Eurzone“ nach sich führen.

Japans Schuldenquote liegt seit Jahren bei weit über 200 %

Japans Schuldenquote betrug im Jahr 2008 rund 183 Prozent des BIP. Im Jahr 2017 lag die Quote bei 236 Prozent des BIP. Zwischen den Jahren 2012 und 2015 sank das BIP Japans von rund 6,2 Billionen US-Dollar auf knapp 4,4 Billionen Dollar kontinuierlich ab. Im gleichen Zeitraum stieg die Schuldenquote vorerst von 229 auf 236 Prozent, um im Jahr 2015 wieder auf 231 Prozent des BIP etwas abzusinken. Seither bewegt sich die Schuldenquote Japans wieder aufwärts. Tokio hat bis heute keine Insolvenz angemeldet. Man macht einfach weiter.

Liegt der Unterschied zwischen Japans scheinbarer Gelassenheit und der Präventions-Panik der Eurozone vielleicht darin, dass es sich mit dem Euro um ein Instrument der Umverteilung von unten nach oben handelt? Banken kippen um, die Regierungen stützen mit Steuergeldern, die Schuldenquoten explodieren und die Steuerzahler und Anleger innerhalb der Eurozone müssen geradestehen. Mit Griechenland und Zypern gab es bereits Testläufe zweier Modelle (Bail-In und Bail-Out).

Letztendlich wird auch Brüssel offen zugeben müssen, dass der Euro nicht für mehr Einigkeit innerhalb Europas, sondern zu tiefsten Gräben führte.



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