Donnerstag, den 19. Juli 2018

Eurorettung: Wird bei Portugals Wirtschaftsdaten getrickst?

Eurokrise


Portugal wird offenbar als leuchtendes Musterbeispiel verwendet, um die bisherigen „Rettungsaktionen“ rund um EU und Euro als ein Erfolgsmodell zu verkaufen. Die jubelnden Finanzmarktteilnehmer dienen als Beleg. Offenbar muss man sich aber der Methode der „Zahlen-Verbiegerei“ bedienen.

Gut gelaunte Marktteilnehmer wegen Portugals Staatsanleihen

Portugal

Portugals Staatsanleihen bringen Anleger in Wallung

Wenn die Finanzmärkte gut gestimmt sind, dann ist der „Rest“, wie z.B. die Bevölkerung eines Landes und deren Lebensstandard, eigentlich nur noch Nebensache. Die Akteure an den Märkten der Staatsanleihen freuen sich über die kräftigen Kursgewinne der Papiere Portugals und die Frankfurter Allgemeine (faz.net) jubelt gleich mit. In der vergangenen Woche ließ sich mi den Papieren von Portugal an den europäischen Märkten für Staatsanleihen das meiste Geld verdienen, so die Online-Ausgabe der Frankfurter Zeitung.

Grund sei die „deutliche Belebung des Wirtschaftswachstums“. Zahlreiche Experten hätten diese Entwicklung nicht erwartet. Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen sanken unter die Marke von 3 Prozent ab und dies sorgte für kräftige Kursgewinne zugunsten der Anleger.

Das Haushaltsdefizit Portugals sei seit dem Jahr 2014 von 7 auf 2 Prozent gesunken, daher spiele auch die Finanzpolitik eine große Rolle. „Kein anderes europäisches Land kann aktuell mit der portugiesischen Entwicklung mithalten“, zitierte Faz.net den Anlagestratege Christopher Jeffrey vom britischen Vermögensverwalter Legal & General Investment Management.

Wie sehen die wirtschaftlichen bzw. „Finanzmarkt-relevanten“ Daten aus?
(Datenquelle: Statista)
Portugals Bruttoinlandsprodukt lag im Jahr 2015 bei 199,22 und im Jahr 2016 bei 204,76 Milliarden Dollar. Für das Jahr 2017 gilt derzeit die geschätzte Summe von 202,77 Mrd. Dollar. Also ein geringeres BIP.

Die Staatsverschuldung Portugals betrug im Jahr 2015 231,58 (im Bezug auf BIP: 128,99 %) und im Jahr 2016 241,11 Mrd. US-Dollar (130,3 %). Bis Ende des Jahres 2017 werden die Schulden voraussichtlich auf 245,33 Dollar (128,6 %) ansteigen. Also mehr Schulden, bei sinkender Quote.

Das Haushaltssaldo lag im Jahr 2015 bei einem Defizit in Höhe von 7,82 Mrd. Euro (im Bezug auf BIP: -4,36 %), ein Jahr später bei 4,26 Mrd. Dollar (-2,3 %). Im Jahr 2017 wird Portugal voraussichtlich ein Haushaltsdefizit von 3,62 Mrd. Dollar (-1,9 %) aufweisen. Also geringeres Defizit.

Somit fällt das BIP im Jahr 2017 um 1,99 Milliarden Dollar ab. Gleichzeitig steigen die Schulden um 4,22 Milliarden Dollar an. Die Schuldenquote (des BIP) sinkt um 1,7 Prozentpunkte. Das Defizit fällt um 0,64 Mrd. Dollar geringer aus. Fallendes BIP und höhere Schulden ergeben eine niedrigere Schuldenquote?

Mal ganz davon abgesehen, dass wieder einmal die Erwartungshaltung der Finanzmarktteilnehmer ausschlaggebend für die Preis-Entwicklungen sind und nicht die Fakten, passen die Daten zu Portugals wirtschaftlicher Entwicklung schlicht nicht zusammen.




  Relevante Berichte zum Thema - Das könnte Sie interessieren

Euphorie treibt Dow Jones auf über 20.000 Punkte
Euphorie treibt Dow Jones auf über 20.000 Punkte

Finanzmärkte – Der US-Aktienindex Dow Jones knackte erstmalig in seiner Geschichte die Marke von 20.000 Punkten. Die Marktteilnehmer sind nach wie vor berauscht von den Visionen... 

Gold und Finanzmärkte bleiben nach Italiens „Nein“ gelassen
Gold und Finanzmärkte bleiben nach Italiens „Nein“ gelassen

Goldmarkt Dezember 2016 – Das sehr klare Nein zu Renzis Verfassungsreform in Italien hat die Finanzplätze kühl und das Edelmetall Gold links liegen gelassen. Die Verunsicherung... 

Italiens Banken sind maroder als bisher dargestellt – Eurozone wackelt
Italiens Banken sind maroder als bisher dargestellt – Eurozone wackelt

Eurokrise – Italiens Banken sind maroder als bisher dargestellt. Mehr als ein Viertel aller faulen Kredite in der Eurozone befinden sich in den Bilanzen der italienischen... 

Prophezeiter „Börsen-Crash“ blieb nach Trumps Wahlsieg aus
Prophezeiter „Börsen-Crash“ blieb nach Trumps Wahlsieg aus

Finanzmärkte – Die Finanzmärkte reagierten nach dem Ausgang der US-Wahlen nicht gerade derartig, wie es eine ganze Riege von Finanzmarkt-Experten erwartete. Steigende Kurse... 


  Weitere Artikel aus dem gleichen Themenbereich

JEFTA: Belange der EU-Bevölkerung werden ignoriert
JEFTA: Belange der EU-Bevölkerung werden ignoriert

Freihandelsabkommen – Das von den Medien eher beläufig behandelte geplante Freihandelsabkommen JEFTA zwischen der EU und Japan ist unterschriftsreif. Die Belange der Bevölkerungen... 

Deutsche Exporte lagen im Mai 2018 um 1,3 % niedriger
Deutsche Exporte lagen im Mai 2018 um 1,3 % niedriger

Konjunktur – Die deutsche Wirtschaft führte im Mai 2018 um 1,3 Prozent weniger aus als ein Jahr zuvor. Allerdings stiegen die Importe im gleichen Zeitabschnitt um 0,8 Prozent... 

Sozialabgaben: Geringverdiener sollen ab 2019 entlastet werden
Sozialabgaben: Geringverdiener sollen ab 2019 entlastet werden

Arbeitsmarkt – Beschäftigte mit geringem Einkommen sollen nach Vorstellung des Bundesarbeitsministers durch die Anhebung der Schwelle für volle Sozialbeiträge ab 2019 entlastet... 

Forschungsinstitute sehen steigende Risiken für Konjunktur Euroraum
Forschungsinstitute sehen steigende Risiken für Konjunktur Euroraum

Konjunktur – Mit ifo, Istat und KOF sehen drei Forschungsinstitute gebremstes Wachstum und steigende Risiken auf die Wirtschaftsentwicklung in der Eurzone zukommen. Risiken... 

Ihre Meinung zählt! - Ein paar Zeilen von Ihnen sind uns sehr viel wert.

Wenn Sie zum Thema gerne etwas ergänzen wollen, inhaltliche Fehler entdecken oder völlig anderer Meinung sind: Kurze Sätze sind ebenso willkommen wie "halbe Romane".
Bitte die Netiquette beachten (Regeln)

Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.