Mittwoch, den 14. November 2018

DIW: EU-Zuwanderer bringen BIP-Zuwachs um 0,2 Prozentpunkte ein

Wirtschaftsforschung


Das DIW sieht in der EU-Zuwanderung in das Bundesgebiet einen zusätzlichen Wirtschaftsschub um durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte pro Jahr. Dennoch seien Verbesserungen notwendig, auch in der Willkommenskultur.

Basar

Mehr EU-Zuwanderung – Qualifikation (fast) egal – Arbeitsmarkt oder bereits Basar?

EU-Zuwanderer leisten nicht unerheblichen Beitrag

Die Zuwanderung in das Bundesgebiet hat der Wirtschaft bisher ein Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozentpunkte pro Jahr eingebraucht, so das Ergebnis einer gemeinsamen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW) und der Universität Potsdam. Bei den zwischen 2011 und 2016 mehr als 5 Millionen zugewanderten Menschen müsse aber mehr getan werden. Die Erwerbschancen müssten durch eine gerechtere Behandlung der Qualifikationen gesteigert werden, wie u.a. durch eine bessere Anerkennung ausländischer Abschlüsse, so das DIW.

Der Grund für das von den Zuwanderern beschleunigte Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um bis zu 0,3 Punkte in einzelnen Jahren liege lt. dem Institut in der Stellenbesetzung durch Zuwanderer und der zusätzlichen Konsumnachfrage. Engpässe auf dem Arbeitsmarkt und den daraus folgenden höheren Produktionskosten und steigenden Preisen werden vermieden.

„Ohne die Zuwanderung aus der restlichen EU wäre das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im Jahr 2015 nicht um 1,5 Prozent, sondern lediglich um 1,2 Prozent gewachsen“, so Marius Clemens, Konjunkturforscher des DIW. Das was die EU-Zuwanderung hier geleistet hat, sei ein nicht unerheblicher Beitrag.

Die Zuwanderung aus dem „restlichen Europa“ wurde beschleunigt von der Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit für die Bewohner aller EU-Mitgliedsländer ab dem Jahr 2011. Diese Freizügigkeit gilt seit 2014 auch für Rumänien und Bulgarien sowie seit 2015 auch für Kroatien.

Ein weiterer Grund für die hohe Zahl der EU-Zuwanderer ins Bundesgebiet sei die schwere Wirtschaftskrise in den südeuroäischen Ländern wie Spanien, Griechenland und Italien. Die angewandten Berechnungen ergaben, dass eine Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage im Herkunftsland der Zuwanderer im Vergleich zur Bundesrepublik der Hauptantreiber für die Migration seien. Mehr als 60 Prozent der EU-Zuwanderung war aus diesen wirtschaftlichen Gründen motiviert. Ein weiteres hohes Gewicht liege im Arbeitsmarkt. Davon gingen rund 25 Prozent der Zuwanderungen aus.

Die Analyse des DIW zeige, dass die „nicht asylbedingte Zuwanderung“ ins Bundesgebiet eng gekoppelt sei an den Fortgang der deutschen Konjunktur und die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Im Jahr 2017 betrug lt. DIW die Erwerbsquote der aus den EU-Ländern zugewanderten Menschen bei 74,6 Prozent, während die Quote der Einheimischen bei 70,6 Prozent lag. Die meisten EU-Zuwanderer seien jung und gut qualifiziert.

Die Erwerbschancen der EU-Zuwanderer müssen nach Ansicht des Instituts verbessert werden. „Um weiterhin attraktiv für Zuwanderer aus Europa zu bleiben, wird sich Deutschland noch etwas mehr anstrengen müssen, so Clemens. Bei den Mitgliedsländern, vorwiegend im Euroraum, ginge es wirtschaftlich inzwischen wieder aufwärts. Die Zuwanderer müssen deshalb mehr Möglichkeiten erhalten, ihren Qualifikationen entsprechenden Jobs zu finden.

Die Verfahren für die Anerkennung von Qualifikationen müssten z.B. pragmatischer vorgenommen werden. Dies gelte nicht nur für EU-Zuwanderer, sondern auch für Migranten aus Drittländern. Dies setze auch die Verbesserung der Willkommenskultur voraus.

Egal wer oder was – Hauptsache willig und billig

„Pragmatischere Anerkennung der Qualifikationen“. Hauptsache arbeitswillig und vor allem billig. Ein fundamentaler Grundstein für die hohe Qualität der deutschen Produkte basiert u.a. auf das beinahe exklusive Duale Ausbildungssystem, welches über mehrere Jahre hinweg absolviert werden muss. Ganz zu schweigen vom in vielen Berufen erforderlichen Studium. Das bisherige Ablehnen von Qualifikationsnachweisen vor allem aus Drittländern wird schließlich nicht aus reiner Schikane praktiziert. Ein frisch ausgelernter Handwerksgeselle hierzulande ist in so manchen Ländern bereits Ingeniuer. Das DIW versteht sich wieder einmal als ein Vertreter der Arbeitgeberinteressen.



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