Mittwoch, den 14. November 2018

Commerzbank verläßt Dax – Konsequente Fortsetzung

Finanzmarkt


Die Commerzbank wird ihren Platz im Leitindex Dax räumen. Eigentlich eine Fortsetzung des vor rund 10 Jahren losgetretenen Niedergangs, dessen „Engagements“ der Steuerzahler in den Hintergrund geriet.

Voraussichtlich verlustreiche Rettung der Commerzbank

Superreiche

Steuerzahler wurde in die Pflicht genommen

Die Commerzbank verabschiedet sich nach rund einem Jahrzehnt der „Rettung und des Haltens“ aus dem Dax und macht den Platz frei für den Online-Bezahldienst Wirecard.

Ein offenbar konsequenter Schritt seit dem Einbruch der Aktien des traditionellen Kreditinstituts zu Beginn der von Banken ausgelösten Finanzkrise. Dabei war die Commerzbank nach dem Niedergang des US-Finanzhauses Lehman Brothers am 15.09.2008 aufgrund ihrer Geschäftsausrichtung auf Firmen- und Privatkunden nicht unmittelbar der anrollenden Lawine ausgesetzt, so in der Zwischenbilanz des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages. Vielmehr wurde die Commerzbank durch eine neue geringere Bewertung der Aktiva und den Belastungen durch die gerade laufende Übernahme der Dresdner Bank in den Strudel hineingezogen. Die Dresdner Bank war entgegen der Commerzbank sehr stark im Investment-Banking engagiert und geriet deshalb entsprechend in den Sog des niedergehenden Finanzmarktes.

Letztendlich entschied sich die Commerzbank die von der Bundesregierung in Aussicht gestellten finanziellen Hilfen in Anspruch zu nehmen.

Folgende Maßnahmen wurden von der Bundesregierung am 02.11.2008 getroffen:

  • Zusage einer Stillen Einlage in Höhe von 8,2 Milliarden Euro bis zum 31.12.2008
    mit einer variablen Verzinsung von 0,01 % pro 4,4 Millionen Euro ausgeschütteter Dividende
  • Inanspruchnahme von 5 Milliarden Euro aus einem bereitgestellten Garantierahmen
    in Höhe von 15 Milliarden Euro.

Dann folgten die Maßnahmen am 07.01.2009 (umgesetzt am 04.06.2009)

  • Erhöhung des Kapitals in Höhe von 1,772 Milliarden Euro über den sog.
    Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin)
  • Erwerb von 25 Prozent + 1 Aktie
  • Zusage einer weiteren Stillen Einlage in Höhe von 8,228 Milliarden Euro
    mit einer festen Verzinsung von 9 Prozent p.a. und einer variablen Verzinsung
    von 0,01 Prozent pro 5,9 Millionen Euro ausgeschütteter Dividende

Die Commerzbank leistete im Laufe der Jahre Rückzahlungen und Vergütungen. Insbesondere die Stille Einlage wurde in zwei Schritten vollständig beglichen. Dennoch wird der Steuerzahler durch diese „Rettungsaktion“ voraussichtlich kräftig draufzahlen.

Die Zwischenbilanz vom Wissenschaftlichen Dienst am 21.06.2017:
„Als Zwischenfazit wird die Erkenntnis vertreten, dass die Rettung und Stabilisierung der Commerzbank AG aus heutiger Sicht wahrscheinlich mit Verlusten enden wird. Aber eine Pleite der Commerzbank und das folgende Chaos hätten den Staat weit mehr gekostet als die Milliarden, die er am Ende vielleicht abschreiben muss. Das Chaos im Finanzsystem hätte höchstwahrscheinlich die Sparer, die anderen deutschen Kreditinstitute, die über den Interbankenmarkt mit der Commerzbank verquickt sind, und letztlich die Realwirtschaft in große Schwierigkeiten gebracht.“



GD Star Rating
loading...

Stichwörter: , , , , ,

Relevante Berichte zum Thema


Magere Verzinsung Lebensversicherungen – Bundesregierung ignoriert es

Magere Verzinsung Lebensversicherungen – Bundesregierung ignoriert es

Altersvorsorge – Die Bundesregierung scheint die magere Verzinsung einer Lebensversicherung als private Altersvorsorge kaum zu interessieren. Niedrige Zinsen scheinen gar kein Grund für den starken... 

Bundesregierung wird UN-Migrationspakt voraussichtlich beitreten

Bundesregierung wird UN-Migrationspakt voraussichtlich beitreten

Migrationspakt – Der UN-Migrationspakt wird von der Bundesregierung voraussichtlich für den Beitritt unterschrieben werden. Das Verschweigen hat nicht funktioniert, aber der Wille des Wählers... 

Rentenpaket: Bundestag hat „doppelte Haltelinie“ gebilligt

Rentenpaket: Bundestag hat „doppelte Haltelinie“ gebilligt

Gesetzliche Rente – Der Bundestag hat den von der Großen Koalition eingebrachten Gesetzesentwurf zum neuen Rentenpaket und damit auch die propgierte „doppelte Haltelinie“ gebilligt. Bundestag... 


Weitere Artikel aus dem gleichen Themenbereich


Mindestlohn kann Armutsrisiko nicht vermeiden

Mindestlohn kann Armutsrisiko nicht vermeiden

Lohnuntergrenze – Der Mindestlohn könne den Anspruch, die Armut aus der Gesellschaft zu bannen, nicht gerecht werden. Der Leiter der Mindestlohnkommission sieht andere Gründe für die Armutsrisiken... 

Jens Spahn will Grenz-Souveränitäten an Frontex abgeben

Jens Spahn will Grenz-Souveränitäten an Frontex abgeben

EU-Politik – Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass die Kenntnis über die Zahl der in Europa ankommenden Migranten zu mehr Akzeptanz führen könne. Dazu müsse aber die... 

Union und SPD holen sich zögerlich Wählerstimmen zurück

Union und SPD holen sich zögerlich Wählerstimmen zurück

Wählerumfrage – Union und SPD holten sich in der vergangenen Woche zögerlich ein paar Stimmenanteile zurück. Lt. aktueller INSA-Umfrage erreicht die Groko in Berlin nach wie vor nicht die Marke... 

Ihre Meinung zählt! - Ein paar Zeilen sind uns viel wert.

Wenn Sie zum Thema gerne etwas ergänzen wollen, inhaltliche Fehler entdecken oder völlig anderer Meinung sind: Kurze Sätze sind ebenso willkommen wie "halbe Romane".
Bitte die Netiquette beachten (Regeln)

Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.