Montag, den 11. Dezember 2017

Bahnübergänge: Unfallrisiko Nummer 1 ist Kraftfahrer selbst


Verkehrssicherheit -

Bahnübergänge stellen für Kraftfahrer ein erhöhtes Unfallrisiko dar. Die größte Gefahr ist allerdings der Kraftfahrzeugfahrer selbst.


Bahnübergänge: Menschliches Fehlverhalten Unfallursache Nummer 1

Bahnübergang

Oft ignorierte Warnhinweise an Bahnübergänge

Die in Betrieb gegangene optische und akkustische Warnanlage an einem Bahnübergang sollten eigentlich einen jeden Verkehrsteilnehmer dazu "animieren", doch lieber in die Bremsen zu steigen und den heraneilenden Zug abzuwarten. Doch nicht jeder Kraftfahrer glaubt genügend Zeit zum Abwarten zu haben und einige kreuzen die Gleise dennoch. Bei 84 Prozent der Unfälle an unbeschrankten, aber mit Warnanlage versehenen Übgergängen wurden die Signale einfach ignoriert, so eine Studie der Unfallvorschung der Versicherer (UDV), wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) berichtete. In vielen Fällen wurden die Rotlichter nicht nur versehentlich, sondern sogar absichtlich überfahren.

Sogar heruntergefahrene Halbschranken stellen für einige Kraftfahrer keinen "sicheren Hinweis" dar, dass das Fahrzeug für eine Zeit lang nicht weiter bewegt werden sollte. Halbschranken werden in Slalom-Manier einfach mal umfahren. Dieses Verhalten stellt 42 Prozent der Unfallfallursachen an Bahnübergängen und ist damit die Nummer 1. Nur mit einem Andreaskreuz gekennzeichnete Übergänge stellen allerdings ein höheres Risiko für Kraftfahrer dar. 81 Prozent der Verkehrsteilnehmer hatten den Zug gar nicht oder zu spät bemerkt.

Insassen in den vom Zug getroffenen Fahrzeugen haben kaum Überlebenschancen, so Siegfried Brockman, Leiter der UDV. Sollte es zu einem Zusammenstoß kommen, "ist die Zerstörungskraft wegen der Massenunterschiede und der Geschwindigkeit des Zuges enorm".

Jedes Jahr sterben bundesweit rund 50 Verkehrsteilnehmer an Bahnübergängen, ca. 250 werden schwer, fast 1.000 leicht verletzt.

Nach einer umfangreichen Studie stellten sich Bahnübergänge mit Vollschranken als ziemlich siche heraus, gefolgt von Übergängen mit Halbschranken (die häufigste Sicherungsmethode) und der Ampel- oder Blinklichtsicherung. Letztere weisen ein 49-fach höheres Unfallrisiko auf als Bahnübergänge mit Vollschranken. Nicht überraschend war das Untersuchungsergebnis, dass bei höheren Zuggeschwindigkeiten auch das Unfallrisiko steigt.

Unfälle an Bahnübergängen passieren in der Regel aufgrund menschlichen Fehlverhaltens. In den meisten Fällen hat der Fahrer die bereits geschlossene Halbschranke mutwillig umfahren oder die Schiene bei Rotlicht gekreuzt. Ein weiterer häufiger Grund von Unfällen an Bahnübergängen sind Staus, bei denen LKW mit Anhängern im Gleisbereich stehen bleiben. Ein weiterer häufiger Unfallgrund sind schlechte Sichtverhältnisse und Unachtsamkeit bei der Überquerung von ungesicherten Bahnübergängen.


Maßnahmen zur Unfallvermeidung an Bahnübergängen

  • Die wirksamste Methode zur Vermeidung von Bahnübergangsunfällen ist der Ersatz durch Über- oder Unterführungen, was in vielen Fällen aber an der Durchführbarkeit und der Finanzierung scheitert.

  • Vollschranken leisten ebenfalls einen effektiven Beitrag zur Verkehrssicherheit, müssen aber länger geschlossen bleiben als Halbschranken und erfordern einen hohen technischen Aufwand.

  • Übergänge mit Halbschranken können durch Fahrbahnteiler, Rotlichtüberwachung oder Anlagen zur Überwachung des freien Schienenraumes sicherer gemacht werden.

  • Unfallauffällige Bahnübergänge, die nur mit einem Andreaskreuz gesichert sind, sollten zumindest eine Lichtzeichenanlage, gegebenenfalls mit Rotlichtüberwachung, bekommen.

  • Autofahrer sollten durch geeignete Maßnahmen für das Risiko an Bahnübergängen sensibilisiert werden.

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