Sonntag, den 22. Oktober 2017

Niedrigzinsen: Deutsche Banken stärker unter Druck


Niedrigzinsen -

Die deutschen Banken geraten aufgrund der niedrigen Zinsen immer stärker unter Druck. Die Hohen Kosten im Bezug auf die Erträge verschärfen die aufgrund schrumpfender Margen ohnehin schon großen Probleme noch mehr. In wenigen Jahren wird voraussichtlich nur noch ein Fünftel der Banken Kapitalkosten in Höhe von 8 Prozent erwirtschaften können.


Druck steigt an: Kosten zu hoch, Margen zu niedrig

Banken

Deutsche Banken gebeutelt von Niedrigzinsen

"Täglich grüßt das Murmeltier". Erneut kommt die Deutsche Bundesbank zum Ergebnis, dass die deutschen Geldhäuser aufgrund der niedrigen Zinsen unter Druck stünden. In einem Diskussionspapier kommen die Bundesbank sowie der European School of Management and Technology Berlin zum Schluss, dass "der Anteil der Kreditinstitute, die Probleme haben, ihre Kapitalkosten zu verdienen", zunehmen könnte.

Sollten die Zinsen noch weiter sinken, würde sich das Problem der Banken noch weiter verschärfen. Selbst wenn das Zinsniveau auf dem derzeitigen Stand verharrte, wäre die Lage für die deutschen Banken dennoch problematisch. "Selbst wenn die Zinsen konstant auf ihrem aktuellen Niveau blieben, würde sich die Zinsmarge im Kerngeschäft der Banken in Deutschland in den nächsten vier Jahren um 16% verringern", so die Studien-Autoren. Diese vorhergesagte Verringerung der Margen würde darin resultieren, dass nur noch 20 Prozent der deutschen Geldhäuser Kapitalkosten in Höhe von 8 Prozent erwirtschaften würden. Die von externen Investoren und Eigentümern geforderten Zinsen für das Eigenkapital hängt allerdings von deren Risikosituation ab.

Das aktuelle Niedrigzinsumfeld stellte aus der Sicht der Autoren die deutschen Banken vor einer Herausforderung. Die Kreditinstitute seien auf der einen Seite stark vom Zinseinkommen abhängig und auf der anderen Seite wiesen sie eine relativ hohe Aufwand-Ertrag-Relation dar. Die Kosten sind demnach gemessen an ihren Erträgen hoch. Weitere Studien zeigten, dass die deutschen Banken im Durchschnitt weniger profitabel seien als ausländische Kreditinstitute. Der Grund dafür könnte im hohen Wettbewerbsdruck liegen, bei dem die deutschen Banken die im Kreditgeschäft erzielten Margen nicht ausreichten, damit die aktuell schwachen Ergebnisse des Einlagegeschäfts kompensiert werden können.

Eine Gegensteuerung könnte mit der Auflösung stiller und offener Reserven realisiert werden. Die Banken bilden gemäß der Regeln des Handelsgesetzbuchs in besseren wirtschaftlichen Zeiten sogenannte Vorsorgereserven. Diese könnten in schwierigen Zeiten genutzt werden. Darüber hinaus bietet die Digitalisierung den Banken bessere Chancen für die Kostensenkung als das Einsparpotenzial im traditionellen Bankgeschäft, so im Diskussionspapier.

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Im Bereich des Privatkundengeschäfts dürften damit die Zinsen für Spareinlagen noch weiter abfallen und die Kosten für Finanzprodukte, u.a. Girokonten, noch weiter ansteigen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die bereits abgesenkten Hürden für die Weitergabe von Negativzinsen vollständig abgetragen sind.



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