Starke Kritik an Standard-Informationsblatt zur Riester- und Rüruprente
23. Januar 2012 um 3:33 Uhr - Thema Altersvorsorge
Bund der Versicherten warnt vor irreführenden Kostendarstellungen
-Unübersichtliche Kostendarstellungen und offene Türen für Irreführung. So lauten die ersten Kritiken zum entwickelten Standard-Informationsblatt für Riester- und Rürup-Altersvorsorge. Ein Gutachten belegt Intransparenz der Kostenaufstellungen.
Nicht nur verwirrend, sondern sogar irreführend sind nach Ansicht von Bund der Versicherten (BdV) die entwickelten Informationsblätter zu den Riester- und Rürupprodukten. VersicherungsJournal.de berichtete über die Pressemitteilung, in der Axel Kleinlein, Vorstand vom BdV, das vom Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) entwickelte Standard-Produktinformations-Blatt für unzureichend erklärte. Im Auftrag des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) wurde ein Muster entwickelt, das als Standard-Beiblatt mit einheitlichen Produktinformationen den Verbrauchern mehr Transparenz bieten sollte (Infos). Lt. Axel Kleinlein schaffe die vom BMF gewünschte Transparenz und Vergleichbarkeit mitnichten. Der BdV warnt sogar vor einer drohenden Falle.
Der Gesamtverband der Deutschen Wirtschaft e.V. (GDV) hält sich mit einer endgültigen Beurteilung zurück. Ein Sprecher des GDV erklärte dem VersicherungsJournal, erst nach einer gründlichen Prüfung des IFF-Gutachtens Stellung beziehen zu können. Direkt auffällig sei jedoch die Unübersichtlichkeit der Kostendarstellung. Nach Meinung des GDV werde dem Verbraucher durch die vom IFF gewählte Kostendarstellung wenig geholfen. Die vorgeschlagene Kostendarstellung enthält die Effektivkosten in Prozent (Reduction in Yield), Effektivkosten in Euro und eine Einzelkosten-Darstellung. Das BMF habe sich jedoch in der Entwicklungsphase zum Standard-Blatt auf eine einzelne Kostendarstellung der Effektivkosten (in Euro) beschränkt. Die vom IFF durchgeführten Verbrauchertests zeigten das vorrangige Interesse über Renditen, Garantien und Risiken. Informationen zu den Kosten folgen in der Priorität erste mit einem deutlichen Abstand. Dazu sagte der GDV-Sprecher, "Diese vergleichsweise niedrige Priorisierung durch die Verbraucher schlägt sich leider nicht in dem IFF-Vorschlag nieder".

Mustervorlagen erinnern
an Glücksspiele
Bild: Kellermeister / pixelio.de
Verbraucher können lt. Ansicht des BdV mit den hervorgehobenen Angaben wie "Effektivkosten" und "Rendite-Erwartungen" wenig anfangen. Es fehle an den nötigen Hintergrundinformationen, die Kennziffern richtig deuten zu können. Verbraucher wissen nicht, was sich hinter den Effektivkosten-Angaben verbirgt.
Der Verbraucher wird erst gar nicht darauf hingewiesen, dass er zu den Produkten die Kostenangaben nur vergleichen könne, wenn die gleichen Vor-Kosten-Renditen ausgewiesen sind. Darüber hinaus können Effektivkosten durch eine Änderung der Vertragslaufzeit rein finanzmathematisch sehr leicht manipuliert werden. Axel Kleinlein, BdV-Vorstand, erklärte hierzu, "Ein Angebot, das von einem späten Start des Rentenbezugs ausgeht, erscheint immer merklich günstiger als eines mit einem passgenauen Rentenbeginn". Einfache und verständliche Angaben wären wünschenswert und würden für eine echte Transparenz sorgen.
Ein Beispiel wäre die Berechnung, welches Alter ein Sparer zur Riesterrente erreichen müsse, damit er zumindest das herausbekommt, was der garantierten Rente eingezahlt wurde. En weiterer Vorschlag ist die Gegenüberstellung durch eine Darstellung, auf wie viel Rente der Riester-Sparer aufgrund aller Kosten verzichten müsse.
Das Finanzministerium prüft derzeit noch das zum Jahresbeginn vorgelegte Gutachten. Der IFF weist auf die guten Ergebnisse der durchgeführten Verbrauchertests hin. Eine endgültige Fassung des Informationsblattes für Verbraucher zu den Riester- und Rürup-Produkten ist noch nicht in Sicht.
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