Sonntag, den 14. Februar 2016

Lebensversicherer machen aus ihren Bilanzen großes Geheimnis


Transparenz scheint für viele Lebensversicherer ein Fremdwort zu sein. Sind die Anbieter einer Police zur kapitalbildenden Lebensversicherung in letzter Zeit erhöhte in den Mittelpunkt der Kritiken geraten, so scheint die jüngste Umfrage der "Welt am Sonntag" einen weiteren Anstoss für berechtigte Zweifel an den Sicherheiten geben.


Inhaber einer Lebensversicherung könnten sich auf Glücksspiel einlassen

Lebensversicherungen

Lebensversicherungen - Ein Glücksspiel?
Bild: Kellermeister / pixelio.de

Grundlegende Fragen betreffen die Anlagestrategien und die Zusammensetzung des Portfolios, die aus den Versicherungsbeträgen umgesetzt sind und entsprechend für die versprochenen Renditen sorgen sollen. Die Versicherer halten sich offenbar mit Fakten und Offenheit stark zurück.

Von den angefragten 45 führenden Lebensversicherern in Deutschland gaben ganze 25 Prozent gar keine Antwort. Einige Lebensversicherer beschränkten sich auf einen groben Umriss aus dem Geschäftsbericht von 2010. Andere Gesellschaften begründeten ihre ablehnende Haltung mit "Wir geben grundsätzlich keine Auskünfte über unsere Performance oder Anlagestrategie".

Besonders interessant sind vor allem die Portfolio-Bestandteile aus Anleihen von Ländern und die Anteile diverser Bankschuldtiteln. Lt. Swiss Life sind sogar schon die ersten Anfragen verunsicherter Kunden eingegangen.

Kamen u.a. von der DEVK, HUK Coburg, Iduna und Conti Leben noch grobe Übersichten über die Anlagepolitik, hielten sich andere Lebensversicherer im eisigen Schweigen. Eine Ausnahme bildet dazu z.B. die Barmenia Versicherungen und veröffentlichte prompt das Ergebnis zum Versicherungs-Belasungstest.


Unsicherheiten im Bankenwesen wirken ansteckend

Was für Kapitalanlageformen, wie z.B. Investmentfonds, gilt, ist für Lebensversicherer nicht verbindlich. Die Zusammensetzung, die Strategie und die Anlagepolitik zu den Geldern der Beitragszahlern. Ausgerechnet die Schuldverschreibungen von Ländern und Banken sind inzwischen alles andere als noch sicher zu bezeichnen, galten diese in der Vergangenheit als "absolut sicher".

Dazu werden Versicherungsgesellschaften nicht durch einen "Rettungsschirm" aufgefangen werden, wie es bei den "systemrelevanten" Banken der Fall ist.


Neue Herausforderungen im Kapitalmarkt

Schwere Zeiten stehen für die Lebensversicherer bevor, egal ob sich der allgemeine Zinssatz nach oben oder nach unten bewegen wird. Werden die garantierten Zinsen für Neuverträge ab 2012 von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent abgesenkt, so stellt das keineswegs eine reale Entlastung der Versicherer dar.

Fallen die allgemeinen Werte der Zinsmärkte weiterhin, werden die Versicherer vor erhöhten Herausforderungen gestellt, die versprochenen Renditen zu erwirtschaften. Die möglichen Renditen auf den Anlagemärkten sind ohnehin quasi am Boden.

Das Problem gilt insbesondere für Altverträge mit höheren Garantiezinsen von bis zu 4 Prozent. Steigen die Zinsen jedoch, können sich die Lebensversicherung aufgrund träger Anlagestrategien, wie langfristige Bindungen an Festzinsanlgen, nicht kurzfristig einstellen.

Eine Lebensversicherung zur Altersvorsorge kann nur langfristig orientiert sein, deshalb verwandeln kurzfristige drastische Veränderungen des Kapitalmarktes das einstige "feste Standbein" der Lebensversicherer in einen unbeweglichen Klotz. Genau diese Situation ist bereits eingetreten und findet seine Fortsetzung.


Versicherte dürfen (fast) tatenlos zusehen

Die Inhaber einer Versicherungspolice stehen jedoch vor dem Dilemma, den Vertrag nicht einfach auflösen zu können, wie es z.B. bei einer Tagesgeldanlage der Fall wäre. Versicherer nehmen den Vertrag meist mit dem Angebot eines Rückkaufswertes zurück.

Verluste der ohnehin schon mickrigen Überschussbeteiligungen und weitere Renditen wären allerdings die Konsequenz. Eine Alternative wäre der Verkauf einer Versicherungspolice. Zwar kämpft der Versicherungszweitmarkt ebenfalls mit den ungünstigen Gegebenheiten der internationalen Krisen, dennoch könnte sich je nach augenblicklichen Rückkaufswert und der bisherigen Laufzeit der Kapital-Lebensversicherung ein attraktives Angebot ergeben. (Mehr Infos)

Ansonsten bleiben dem Versicherungsnehmer lediglich das Abwarten über die weiteren Entwicklungen innerhalb der Europäischen Union. Die Umstände zu den Lebensversicherungen werden sich sehr wahrscheinlich noch nach den weiteren Vorgaben der "EU-Regierung" ändern.







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Quelle: Welt-Online 30.10.2011


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