Weltweiter Wirtschaftsabschwung – Deutscher Aufschwung ab Mitte 2012
11. Januar 2012 um 10:45 Uhr - Thema Featured
Zur zweiten Jahreshälfte wird sich die deutsche Wirtschaft erholen
-Ab Mitte 2012 werden die wirtschaftlichen Verhältnisse in ein höheres Ungleichgewicht geraten. Die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) sagt für das zweite Halbjahr 2012 einen kräftigen Wachstumsschub für die deutsche Wirtschaft voraus. Gleichzeitig rutscht im Laufe des Jahres die Wirtschaft im gesamten Euroraum wegen der Staatsschuldenkrise in ein kräftiges Minus ab.
Die deutsche Wirtschaft konnte noch zum Ende 2011 mit einem dicken Plus von drei Prozent Wachstum abschliessen. Für 2012 werden jedoch keine positiven Entwicklungen mehr erwartet. Die Aussichten werden zu stark von den Einflüssen der Schuldenkrise im EU-Raum eingetrübt. Die Konjunkturexperten des DIW Berlin erwarten deshalb besonders zum Jahresbeginn 2012 sogar ein leichtes Schrumpfen der deutschen Wirtschaft. Für den Jahresabschluss 2012 rechnet DIW Berlin mit einem Gesamtjahres-Wachstum von lediglich plus 0,6 Prozent. DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner erklärt, „Dank des ab dem Sommer diesen Jahres einsetzenden Aufholwachstums rechnen wir für 2013 aber wieder mit einem Wachstum von 2,2 Prozent“. Fichtner fügt jedoch hinzu, „Das klappt aber nur, wenn die Politik die Krise im Euroraum in den nächsten Monaten überzeugend in den Griff bekommt“.
Der Arbeitsmarkt wird von einer anhaltenden Krise im Euroraum besonders betroffen sein, befürchtet der DIW Berlin. Es dorhe eine "Negativ-Spirale aus steigender Arbeitslosigkeit und fallender Nachfrage". Bei einem solchen Scenario dürfte nach Einschätzung des DIW Berlin eine Rezession spürbar werden.

Konjunkturrückgang 2012
Bild: Dieter Schütz / pixelio.de
Vor allem im Export liegt ein bedeutender Schwerpunkt der deutschen Wirtschaft. DIW-Deutschlandsexperte Simon Junker betont, „Die stark exportabhängige deutsche Wirtschaft kann sich einer Abschwächung der Weltkonjunktur nicht entziehen. Vor allem unter der Krise im Euroraum werden die deutschen Exporte zu leiden haben“. Nach der Einschätzung der DIW-Experten wird auch die Nachfrage im Inland zurückgehen. Die Deutschen seien durch die anhaltende Krise verunsichert und hielten sich mit dem Konsum verstärkt zurück.
Junker befürchtet durch das ungünstige Zusammenspiel von Wirtschaftsschrumpung und der Konsumzurückhaltung der Bürger, ein Eintreten in die Rezession, wenn auch für nur einen kurzfristigen Zeitraum. Im unsicheren Umfeld werden die Unternehmen ihre Investitionen zurückfahren. Eine kräftige Erholung der deutschen Exporte und der Inlandsnachfrage erwartet Junker jedoch ab der Jahresmitte 2012.
Die Arbeitslosenzahlen werden sich nur im begrenzten Bereich nach oben bewegen. Mit Auswirkungen durch den kurzfristigen Konjunktureinbruch ist zwar zu rechnen, dennoch werden "mit vermehrter Kurzarbeit und dem Abbau der inzwischen wieder gut gefüllten Arbeitszeitkonten, werden die Unternehmen den Rückgang bei der Zahl der Beschäftigten aber abfedern können", so Junker. Die Beschäftigungszahl zum Ende 2012, dürfte nach einer moderaten Erholung innerhalb der zweiten Jahreshälfte im Schnitt geringfügig steigen und das Jahr mit einer Arbeitslosenquote von etwa 7 Prozent abschliessen.
Die weltweiten Wachstumsraten der letzten Jahre werden 2012 nicht mehr erreicht werden. Ein positives Vorzeichen ist lediglich dem überdurchschnittlichen Wachstum in den Schwellenländern zu verdanken. Ferdinand Fichtner erklärt, „Die Investitionstätigkeit und der Konsum im Euroraum werden deutlich zurückgehen“. Die Kaufkraft ist durch "die hohe Arbeitslosigkeit und die immer noch starke Inflation" geschmälert. Investitionen durch die Unternehmen werden erst mal aufgeschoben. Fichtner schätzt ein, dass die Auslandsnachfrage schwächer ausfallen wird als in den letzten beiden Jahren. "Der Euroraum muss sich auf eine Nachfrageschwäche auf breiter Front einstellen", sagt Fichtner.
Für den Euroraum prognostiziert das DIW Berlin einen leichten Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts des Euroraums. Mit 1 Prozent Wachstum sollte 2013 wieder besser abschliessen können. Ferdinand Fichtner schränkt die Aussichten jedoch mit der Begründung ein, dass "für eine Erholung der Konjunktur im Euroraum im nächsten Jahr, die Politik die Krise in den Griff bekommt". Sollte jedoch u.A. Frankreich durch eine Verschärfung der Schuldenkrise angesteckt werden, werden die Auswirkungen der eintretenden Rezession stärker ausfallen.
Im Dezember 2011 wurden in Brüssel durch die Regierungschefs der Europäischen Union, Beschlüsse gefasst, die nach der Einschätzung des DIW Berlin keinen "entscheidenden Beitrag zur unmittelbaren Lösung der Schuldenkrise" leisten können. Für die Zukunft könnten jedoch stabilisierende Tendenzen für die Währungsunion eintreten. Fichtner bewertet die Brüsseler Beschlüsse positiv, „Die Krise gibt der deutschen Bundesregierung Rückenwind im Bemühen um eine stärkere fiskalpolitische Koordinierung in Europa“. Fichtner sieht jedoch Gefahren aus den mittel- und langfristig angelegten Strategien und warnt, „Die Verunsicherung beeinträchtigt bereits jetzt die Konjunktur und auch die Geschäftsbeziehungen zwischen den Banken. Die Politik sollte den Bogen also nicht überspannen und sich mit der Reform der europäischen Institutionen zu viel Zeit lassen, sonst sind wir plötzlich wieder in einer Situation wie nach dem Lehman-Kollaps.“
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