Freitag, den 27. April 2018

US-Regierung kritisiert deutsche Außenhandelsbilanzen


Wirtschaft -

Die Außenhandelsbilanzen der deutschen Wirtschaft geraten ins Visier der US-Regierung. Donald Trump kritisiert die Schieflage in den Handelsbeziehungen zwischen der Bundesrepublik und den USA sowie weiteren EU-Ländern.


"Deutsche Wirtschaft nutzt andere Länder aus"

Dollar-Euro

Bahnt sich ein Handelskrieg an?

Die exzessiven Exportüberschüsse der deutschen Wirtschaft sind bereits der EU-Kommission ein Dorn im Auge. Ein Handelsbilanzüberschuss von höchstens 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gilt als gerade noch vertretbar, aber die deutsche Exportwirtschaft fuhr lt. vorläufigen Berechnungen des Münchner ifo-Instituts im Jahr 2016 abermals ein dickes Plus von rund 8,6 Prozent des BIP ein. Im vergangenen Jahr lag der Wert bei 8,3 Prozent.

Überschüsse in der Außenhandelsbilanz führen zu einer höheren Verschuldung der importierenden Länder. Für die deutsche Wirtschaft bedeuten Überschüsse einen Kapitalexport und daraus resultiert ein anwachsendes "Auslandsvermögen". Im Jahr 2015 erreichte dieses im "Ausland deponierte Vermögen" 7,9 Billionen Euro.

Ein sehr ungleiches Verhältnis zwischen den exportierenden und importierenden Ländern. Die USA zählen zu den Hauptabnehmern der deutschen Export-Industrie, wobei die Staaten ohnehin "Weltspitze" in der Kategorie Importnationen mit extremen Außenhandelsdefiziten sind.

Der US-Präsident Donald Trump hat die extreme Schieflage zwischen den Handelsbeziehungen rund um die deutsche Exportwirtschaft aufgegriffen und sie scharf kritisiert. Trump warf der Bundesregierung vor, sich durch einen unterbewerteten Euro deutliche Vorteile auf Kosten der USA und Euro-Ländern zu verschaffen. Der "grob unterbewertete" Euro diente lediglich zum Ausnutzen der Handelspartner wie die USA und die EU-Mitgliedsländer.

Ganz sind die Vorwürfe aus Washington nicht von der Hand zu weisen. Zwar ist die Europäische Zentralbank (EZB) die Hüterin der Gemeinschaftswährung Euro, aber weder die Bundesbank, noch die Bundesregierung sind mit ihren Gegenmaßnahmen zur "ungeliebten Geldpolitik" über einen ermahnenden Zeigefinger hinausgekommen. Darüber hinaus profitiert Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) von den extrem niedrigen Zinsen derart, dass der Bund mit seiner Kreditaufnahme sogar Gewinne einfahren kann.

Hohe Exportüberschüsse resultieren u.a. aus konkurrenzlos billigen Preisen und davon sind insbesondere die produktiven Arbeitnehmer betroffen. Sie sind dazu gezwungen, sich für eine florierende Exportwirtschaft in Verzicht zu üben. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler Stiftung wies bereits im Jahr 2013 darauf hin, dass vom angehäuften Auslandsvermögen gut 20 Prozent abgeschrieben werden können. Daraus resultierte für das Jahr 2016 bei einem voraussichtlichen Exportüberschuss von 268 Milliarden Euro ein Verlust in Höhe von rund 54 Milliarden Euro.



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