Montag, den 29. Mai 2017

Trotz guter Konjunktur: Ältere Arbeitslose auf Abstellgleis


Arbeitsmarkt -

Das Bundesarbeitsministerium zeigt sich über die Arbeitsmarktlage zu Beginn 2017 sehr zufrieden. Die wirtschaftliche Entwicklung biete die notwendige Voraussetzung. Der DGB ermahnt jedoch dazu, die älteren Arbeitslosen auf dem vermeintlichen Abstellgleis nicht zu vergessen.


Ältere Arbeitslose geraten immer mehr ins Hintertreffen

Entlassungen

Ältere Arbeitslose werden gerne vergessen

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zeigt sich bei den Präsentationen der Arbeitsmarktlage gerne "euphorisch". Der Arbeitsmarkt folge den guten Wirtschaftsprognosen, so ihre Stellungnahme zur aktuellen Lage. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kann dieser These grundsätzlich folgen, hakt aber dabei ein, dass eine Gruppe der (potenziellen) Arbeitnehmer nicht vergessen werden sollten. "Dem Arbeitsmarkt geht es gut, aber eine Gruppe wird oft übersehen: die Älteren", so DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.

Es dürfe nicht sein, dass die Menschen länger arbeiten müssen, die Älteren auf dem Arbeitsmarkt aber häufig allein gelassen werden. Menschen, die für eine lange Zeit gearbeitet haben, "dürfen im Alter nicht alles verlieren, wen sie auf Hartz IV angewiesen sind", so Buntenbach.

Lediglich neun Prozent der Arbeitslosen im höheren Alter werden Maßnahmen angeboten, dabei dürften Ältere nicht abgeschrieben werden und müssten für Förderungen stärker berücksichtigt werden. Die Betroffenen in dieser Alterskategorie nehmen unter allen Arbeitslosen einen Anteil von rund 20 Prozent ein.

Von 2010 bis 2015 habe sich die Quote der Förderungen mehr als halbiert, kritisierte Buntenbach. Für viele ältere Menschen sei auch die öffentlich geförderte Beschäftigung eine Optioni, um damit die Rente zu erreichen. Diese Option sollte ausgebaut werden.

Im Jahr 2005 machten Ältere über 55 Jahre lediglich 12 Prozent der arbeitslos Gemeldeten aus. Im Jahr 2015 waren es bereits 20 Prozent. Ein besonders starken Anstieg gab es in der Altersstufe zwischen 60 und 65 Jahren. Deren Anzahl Betroffener habe sich im gleichen Zeitraum beinahe verdreifacht. Ältere Menschen blieben inzwischen immer länger auf dem Arbeitsmarkt, aber im Falle ihrer Arbeitslosigkeit drohe ihnen häufig die Langzeitarbeitslosigkeit. Im Durchschnitt seien Ältere um 96 Wochen länger arbeitslos als Betroffene in anderen Altersgruppen.



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