Samstag, den 23. September 2017

Trotz guter Konjunktur: Ältere Arbeitslose auf Abstellgleis


Arbeitsmarkt -

Das Bundesarbeitsministerium zeigt sich über die Arbeitsmarktlage zu Beginn 2017 sehr zufrieden. Die wirtschaftliche Entwicklung biete die notwendige Voraussetzung. Der DGB ermahnt jedoch dazu, die älteren Arbeitslosen auf dem vermeintlichen Abstellgleis nicht zu vergessen.


Ältere Arbeitslose geraten immer mehr ins Hintertreffen

Entlassungen

Ältere Arbeitslose werden gerne vergessen

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zeigt sich bei den Präsentationen der Arbeitsmarktlage gerne "euphorisch". Der Arbeitsmarkt folge den guten Wirtschaftsprognosen, so ihre Stellungnahme zur aktuellen Lage. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kann dieser These grundsätzlich folgen, hakt aber dabei ein, dass eine Gruppe der (potenziellen) Arbeitnehmer nicht vergessen werden sollten. "Dem Arbeitsmarkt geht es gut, aber eine Gruppe wird oft übersehen: die Älteren", so DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.

Es dürfe nicht sein, dass die Menschen länger arbeiten müssen, die Älteren auf dem Arbeitsmarkt aber häufig allein gelassen werden. Menschen, die für eine lange Zeit gearbeitet haben, "dürfen im Alter nicht alles verlieren, wen sie auf Hartz IV angewiesen sind", so Buntenbach.

Lediglich neun Prozent der Arbeitslosen im höheren Alter werden Maßnahmen angeboten, dabei dürften Ältere nicht abgeschrieben werden und müssten für Förderungen stärker berücksichtigt werden. Die Betroffenen in dieser Alterskategorie nehmen unter allen Arbeitslosen einen Anteil von rund 20 Prozent ein.

Von 2010 bis 2015 habe sich die Quote der Förderungen mehr als halbiert, kritisierte Buntenbach. Für viele ältere Menschen sei auch die öffentlich geförderte Beschäftigung eine Optioni, um damit die Rente zu erreichen. Diese Option sollte ausgebaut werden.

Im Jahr 2005 machten Ältere über 55 Jahre lediglich 12 Prozent der arbeitslos Gemeldeten aus. Im Jahr 2015 waren es bereits 20 Prozent. Ein besonders starken Anstieg gab es in der Altersstufe zwischen 60 und 65 Jahren. Deren Anzahl Betroffener habe sich im gleichen Zeitraum beinahe verdreifacht. Ältere Menschen blieben inzwischen immer länger auf dem Arbeitsmarkt, aber im Falle ihrer Arbeitslosigkeit drohe ihnen häufig die Langzeitarbeitslosigkeit. Im Durchschnitt seien Ältere um 96 Wochen länger arbeitslos als Betroffene in anderen Altersgruppen.



GD Star Rating
loading...
  Relevante Berichte zum Thema - Das könnte Sie interessieren

Union stellt unverbindliche Wahlversprechen vor
Union stellt unverbindliche Wahlversprechen vor

Bundestagwahl 2017 - Die Union will am Montag ihre Versprechen zur Bundestagswahl 2017 vorstellen. Erste Eckpunkte zu den unverbindlichen Regierungsprogrammen sind bereits bekannt. Arbeitslosigkeit... 

Arbeitslosenquote April 2017 ohne „irreguläre Einflüsse“ gesunken
Arbeitslosenquote April 2017 ohne „irreguläre Einflüsse“ gesunken

Konjunktur - Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im April 2017 weiter an. Gleichzeitig fiel die Arbeitslosenquote weiter ab, allerdings nur nach der Bereinigung um die saisonalen... 

Arbeitsmarktzahlen April 2017: DGB kritisiert Niedriglohnsektor
Arbeitsmarktzahlen April 2017: DGB kritisiert Niedriglohnsektor

Arbeitsmarkt - Das Bundesarbeitsministerium und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sind sich darin einig, dass sich die deutsche Wirtschaft auf einem guten Weg befinde. Doch... 

Leiharbeit: Politische Einsparmaßnahme bei Sozialleistungen
Leiharbeit: Politische Einsparmaßnahme bei Sozialleistungen

Arbeitsmarkt - Die Leiharbeitsbranche scheint nicht nur ein politisch gewollter Niedriglohnsektor zu sein, sondern auch eine Einsparmaßnahme bei den Sozialleistungen nach dem... 


  Weitere Artikel aus dem gleichen Themenbereich

Zwangsabgabe finanziert Traumgehälter bei Öffentlich-Rechtlichen
Zwangsabgabe finanziert Traumgehälter bei Öffentlich-Rechtlichen

Zwangsgelder - Traumgehälter bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Derlei hohe Einkommen sorgen offenbar für die erwünschte Linientreue besonders in der Abteilung... 

DIW hält starke Zuwanderung für dringend erforderlich
DIW hält starke Zuwanderung für dringend erforderlich

Arbeitsmarkt - Die verstärkte Zuwanderung von Menschen in die Bundesrepublik werde nicht nur Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt haben, sondern sei lt. DIW sogar dringend... 

2. Quartal 2017: Rekord-Beschäftigtenzahl – Geringe Qualität
2. Quartal 2017: Rekord-Beschäftigtenzahl – Geringe Qualität

Konjunktur - Erneut stieg die Zahl der Beschäftigten auf ein neues Rekordhoch. Im zweiten Quartal stieg die Erwerbstätigenzahl auf mehr als 44 Millionen Menschen. Über die... 

Eurozone & EU: BIP im 2. Quartal 2017 moderat gewachsen
Eurozone & EU: BIP im 2. Quartal 2017 moderat gewachsen

Konjunktur - Moderates Wirtschaftswachstum innerhalb der Eurozone und in der EU im zweiten Quartal 2017. In beiden Wirtschaftszonen stieg das jeweilige Bruttoinlandsprodukt... 

Ihre Meinung zählt! - Ein paar Zeilen von Ihnen sind uns sehr viel wert.

Wenn Sie zum Thema gerne etwas ergänzen wollen, inhaltliche Fehler entdecken oder völlig anderer Meinung sind: Kurze Sätze sind ebenso willkommen wie "halbe Romane".
Bitte die Netiquette beachten (Regeln)