Freitag, den 18. August 2017

Leiharbeit: Politische Einsparmaßnahme bei Sozialleistungen


Arbeitsmarkt -

Die Leiharbeitsbranche scheint nicht nur ein politisch gewollter Niedriglohnsektor zu sein, sondern auch eine Einsparmaßnahme bei den Sozialleistungen nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses. Fast ein Fünftel aller Leiharbeiter rutscht an ALG I vorbei, direkt in Hartz IV.


Ein Drittel der Leiharbeiter vor 30 Tagen wieder erwerbslos

Sklaven

Die Leiharbeitsbranche wird gerne auch als
moderne Sklaverei bezeichnet


Leiharbeit und die damit verknüpften Regeln im Falle einer Arbeitslosigkeit ersparen dem "Staatssäckel" einen großen Teil der sozialen Ausgaben.

Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben nur Betroffene, die 24 Monate vor ihrer Erwerbslosigkeit mindestens für ein Jahr eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nachweisen können. Ansonsten wird Arbeitslosengeld I (ALG I) einfach übersprungen und der Betroffene fällt gleich direkt in Hartz IV. Gegenüber den Regelsätzen von Hartz IV kann ALG I je nach Höhe des zuletzt erhaltenen Lohns vergleichsweise üppig ausfallen. Für kinderlose Erwerbslose gilt ein Satz von 60 Prozent und für Arbeitslose mit unterhaltspflichtigen Kindern 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens.

Der direkte Sturz in Hartz IV betrifft vor allem die erwerbslos gewordenen Leiharbeiter. Im Jahr 2016 erhielten knapp 130.000 Beschäftigte in der Leiharbeit nach Eintritt in ihrer Erwerbslosigkeit kein ALG I, sondern gleich Harzt IV, so die Berliner Zeitung (Freitagsausgabe).

In der Branche der Leiharbeit sind längere Beschäftigungszeiten eher die Ausnahme. Deshalb gelinge es vielen Leiharbeitern nicht, den Nachweis für den Erhalt von ALG I zu erbringen, so Brigitte Pothmer, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen zur Zeitung.

19 Prozent der Leiharbeitsverhältnisse enden bereits vor Ablauf von drei Monaten. Ein Drittel aller Leiharbeiter steht bereits innerhalb vor 30 Tagen wieder ohne Erwerbstätigkeit da. Aus diesem Grund rutschten im Jahr 2016 38 Prozent aller Leiharbeitskräfte nach Ende ihres Arbeitsverhältnisses unmittelbar in Hartz IV ab.



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