Sonntag, den 19. November 2017

Griechenland: Wundersamer Primärüberschuss


Griechenlandkrise -

Griechenland überraschte die Experten mit einem im Januar 2017 erreichten Primärüberschuss. Das Plus im Haushalt lag um 670 Millionen Euro höher als erwartet. An die Kosmetiker dürften für das Erreichen dieser Zahlen sehr hohe Ansprüche gestellt worden zu sein.


Wundersamer Primärüberschuss aus dem Zauberhut?

Münchhausen

Brüssel will wohl für gute Laune sorgen

Griechenland habe im Januar 2017 einen "überraschend hohen" Primärüberschuss erzielt. Das Plus im Haushalt habe den angepeilten Wert um 670 Millionen Euro übertroffen. Beigetragen haben Steuereinnahmen in Milliardenhöhe, so die von Handelsblatt Online übernommene Reuters-Meldung.

Offensichtlich wieder eine Zahl nach Anwendung zahlreicher kosmetischer Maßnahmen. Lt. der Meldung seien z.B. die Etats der lokalen Sozialbehörden und Verwaltungen gar nicht mit eingerechnet.

Zu den weiteren außer Acht gelassenen Kosten dürften wie auch beim vermeintlichen Überschuss im Jahr 2013 die Ausgaben für die Rettung der eigenen Banken sowie die Zins-Ausgaben für die zugeteilten "Rettungsgelder". Der ehemalige Chef des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, nannte den als offiziell angegebenen Überschuss vom Jahr 2013 als "Irreführung der Öffentlichkeit".

Im Jahr 2013 erreichte Griechenland ein BIP von rund 240 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2015 waren es lediglich 195 Milliarden US-Dollar. Für 2016 markierte die Wirtschaft knapp 196 Milliarden Dollar. Der im Jahr 2013 angeblich erreichte Überschuss fiel in einem Jahr an, in dem die Wirtschaft um mehr als 3 Prozent geschrumpft war. Das BIP wuchs im Jahr 2014 um 0,65 Prozent, im Jahr 2015 schrumpfte es wiederum um rund -0,23 Prozent. Im Jahr 2016 dürfte Griechenlands Wirtschaft nach Schätzungen gerade mal um 0,06 Prozent gewachsen sein.

Einzig die Entwicklung der Arbeitslosenquote Griechenlands scheint auf einem guten Weg zu sein. Im Jahr 2013 lag die Quote bei gut 27 Prozent und im Jahr 2016 bei gut 23 Prozent. Dennoch war im vergangenen Jahr beinahe jeder vierte erwerbsfähige Grieche ohne Beschäftigung.

Der für Januar 2017 "überraschend hohe" Primärüberschuss dürfte daher der "Irreführung" ebenfalls sehr nahe kommen. Nachdem die EU-Kommission mit ihren nach oben korrigierten Prognosen für das Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten für "gute Laune" sorgte, folgt nun eine vermeintliche Erfolgsmeldung über die "Rettungsmaßnahmen" Griechenlands. Offenbar eine Präventiv-Kampagne aufgrund der wichtigen anstehenden Wahlen, u.a. in der Bundesrepublik und in Frankreich.



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