Montag, den 24. Juli 2017

Eurorettung: Wird bei Portugals Wirtschaftsdaten getrickst?


Eurokrise -

Portugal wird offenbar als leuchtendes Musterbeispiel verwendet, um die bisherigen "Rettungsaktionen" rund um EU und Euro als ein Erfolgsmodell zu verkaufen. Die jubelnden Finanzmarktteilnehmer dienen als Beleg. Offenbar muss man sich aber der Methode der "Zahlen-Verbiegerei" bedienen.


Gut gelaunte Marktteilnehmer wegen Portugals Staatsanleihen

Portugal

Portugals Staatsanleihen bringen Anleger in Wallung

Wenn die Finanzmärkte gut gestimmt sind, dann ist der "Rest", wie z.B. die Bevölkerung eines Landes und deren Lebensstandard, eigentlich nur noch Nebensache. Die Akteure an den Märkten der Staatsanleihen freuen sich über die kräftigen Kursgewinne der Papiere Portugals und die Frankfurter Allgemeine (faz.net) jubelt gleich mit. In der vergangenen Woche ließ sich mi den Papieren von Portugal an den europäischen Märkten für Staatsanleihen das meiste Geld verdienen, so die Online-Ausgabe der Frankfurter Zeitung.

Grund sei die "deutliche Belebung des Wirtschaftswachstums". Zahlreiche Experten hätten diese Entwicklung nicht erwartet. Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen sanken unter die Marke von 3 Prozent ab und dies sorgte für kräftige Kursgewinne zugunsten der Anleger.

Das Haushaltsdefizit Portugals sei seit dem Jahr 2014 von 7 auf 2 Prozent gesunken, daher spiele auch die Finanzpolitik eine große Rolle. "Kein anderes europäisches Land kann aktuell mit der portugiesischen Entwicklung mithalten", zitierte Faz.net den Anlagestratege Christopher Jeffrey vom britischen Vermögensverwalter Legal & General Investment Management.

Wie sehen die wirtschaftlichen bzw. "Finanzmarkt-relevanten" Daten aus?
(Datenquelle: Statista)
Portugals Bruttoinlandsprodukt lag im Jahr 2015 bei 199,22 und im Jahr 2016 bei 204,76 Milliarden Dollar. Für das Jahr 2017 gilt derzeit die geschätzte Summe von 202,77 Mrd. Dollar. Also ein geringeres BIP.

Die Staatsverschuldung Portugals betrug im Jahr 2015 231,58 (im Bezug auf BIP: 128,99 %) und im Jahr 2016 241,11 Mrd. US-Dollar (130,3 %). Bis Ende des Jahres 2017 werden die Schulden voraussichtlich auf 245,33 Dollar (128,6 %) ansteigen. Also mehr Schulden, bei sinkender Quote.

Das Haushaltssaldo lag im Jahr 2015 bei einem Defizit in Höhe von 7,82 Mrd. Euro (im Bezug auf BIP: -4,36 %), ein Jahr später bei 4,26 Mrd. Dollar (-2,3 %). Im Jahr 2017 wird Portugal voraussichtlich ein Haushaltsdefizit von 3,62 Mrd. Dollar (-1,9 %) aufweisen. Also geringeres Defizit.

Somit fällt das BIP im Jahr 2017 um 1,99 Milliarden Dollar ab. Gleichzeitig steigen die Schulden um 4,22 Milliarden Dollar an. Die Schuldenquote (des BIP) sinkt um 1,7 Prozentpunkte. Das Defizit fällt um 0,64 Mrd. Dollar geringer aus. Fallendes BIP und höhere Schulden ergeben eine niedrigere Schuldenquote?

Mal ganz davon abgesehen, dass wieder einmal die Erwartungshaltung der Finanzmarktteilnehmer ausschlaggebend für die Preis-Entwicklungen sind und nicht die Fakten, passen die Daten zu Portugals wirtschaftlicher Entwicklung schlicht nicht zusammen.



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