Montag, den 11. Dezember 2017

„Dank Trump“: Horrorszenario für dt. Wirtschaft


Globalisierung -

Der deutschen Wirtschaft stehe ein Horrorszenario bevor, sollte US-Donald Trump den in Aussicht gestellten Protektionismus in die Tat umsetzen. Ökonomen warnen vor dem Verlust von 1,6 Millionen Arbeitsstellen.


Trump könnte Handelskrieg und Arbeitslosigkeit verursachen

Horror

Horrorszenario für die deutsche Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft stehe vor großen Herausforderungen, sollte US-Präsident Donald Trump seine angekündigte Wirtschaftspolitik umsetzen. Der in Aussicht gestellte Protektionismus würde einen Handelskrieg auslösen und in der Bundesrepublik rund 1,6 Millionen Arbeitsplätze vernichten. Der Wohlstand wäre bedroht. Zu diesem Ergebnis kommte eine Umfrge der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) unter prominenten deutschen Ökonomen.

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erklärte der F.A.S., dass mit Amerika ein Handels- und Wirtschaftskrieg drohe. "Macht Donald Trump Ernst, hat das negative Effekte für den globalen Wohlstand."

Deutschland steuere auf ein Horrorszenario zu, so die Ansicht von Clemens Fuest, Präsident des Münchner ifo-Instituts. Sollten die wirtschaftlichen Beziehungen zu Amerika auf Null herunter gefahren werden, so seien 1,6 Millionen Arbeitsplätze bedroht.

Diese 1,6 Millionen Arbeitsplätze setzten sich zusammen aus einer Millionen Stellen in der deutschen Exportindustrie sowie aus 600.000 Jobs von in der Bundesrepublik ansässigen US-Unternehmen. "Im Falle einer Exkalation mit Gegenmaßnahmen Europas wären auch die gefährdet", so Fuest. Die Bundesrepublik sei als führende Exportnation von Einschränkungen des globalen Handels stärker betroffen als die meisten anderen Staaten.

Der Präsident des Kieler Institus für Weltwirtschaft, Dennis Snower, erinnert an die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Die Handelskonflikte ließen damals die Weltwirtschaft abstürzen. Dies hatte fatale politische Folgen. "Aus dieser bitteren Erfahrung haben alle ihre Lektionen gelernt - bis auf Donald Trump", so Snower zur F.A.S.. Derzeit lebten wir in einer Zeit, "in der die liberale Weltordnung in Frage gestellt wird".


Horrorgeschütze der Globalisierungs-Befürworter

Von einem "Horrorszenario" gehen die Export-Unternehmen derzeit noch nicht aus. Der ifo-Index für die Exporterwartungen der deutschen Industrie stieg im Januar an.

Darüber hinaus geht Fuest von einer kompletten Einstellung der Handelsbeziehungen aus. Wie wahrscheinlich ist dieses Szenario? Wohl kaum. Dafür müssten die USA erst einmal die Herkules-Aufgabe der kompletten eigenen Neuerfindung stemmen. Die Wirtschaft der USA ist seit Jahrzehnten auf Konsum und Import ausgerichtet. Das jährliche Defizit im hohen dreistelligen Milliardenbereich spricht eine klare Sprache. Nicht zuletzt auch die irrsinnige Staatsverschuldung von bald 20 Billionen US-Dollar. Das Land ist eigentlich bankrott, wären da nicht das Monopol auf die globale Weltwährung und die Fähigkeit, diesen Zustand mit militärischer Macht beizubehalten.

Zu den wichtigsten Lieferanten zählt die deutsche Exportindustrie, richtig. Die größten Überschüsse der deutschen Außenhandelsbilanz fallen neben Frankreich und Großbritannien auf die USA ab. "Auslandsvermögen" wird dieser Export-Überschuss wohlklingend genannt. Doch die relativ mickrige Währungsreserve der Bundesbank in US-Dollar sowie der seit 1971 (einseitiger Ausstieg der USA aus Bretton-Woods-Abkommen) auf Null geschrumpfte Zuwachs der Goldreserven lässt die Frage zu, ob das "Auslandsvermögen" eigentlich besser als "Schenkungen" bezeichnet werden sollten. Milliardenbeträge, die von den Arbeitnehmer unter immer größeren Verzicht erwirtschaftet wurden.

Das von der Bundesbank angegebene "Auslandsvermögen" in Höhe von 7,9 Billionen Euro zum Stand Ende 2015 erscheint ein wenig zu kurz gegriffen. Seit 1971 betragen alle Exportüberschüsse insgesamt rund 18 Billionen Euro. Die Goldreserven der Bundesbank stiegen in diesem Zeitraum weder an, noch haben die Währungsreserven der Bundesbank einen Stand erreicht, der einen Ausgleich des "Vermögens im Ausland" widerspiegeln könnte.

Die derzeit offensichtlichen Pläne des US-Präsidenten laufen der von den Konzernen gewünschten Globalisierung zuwider. Dagegen müssen von den Befürwortern natürlich passende "Horrorgeschütze" aufgefahren werden.



GD Star Rating
loading...
  Relevante Berichte zum Thema - Das könnte Sie interessieren

Obamacare auf der Kippe: Trump um einen Schritt weiter
Obamacare auf der Kippe: Trump um einen Schritt weiter

US-Politik - Donald Trump ist seinem Ziel, das Gesundheitssystem Obamacare in seinen grundlegenden Bestandteilen zurückzunehmen, um einen Schritt näher gekommen. Der Gesetzesentwurf... 

Trump erlässt entschärftes Dekret für Einsreiseverbot
Trump erlässt entschärftes Dekret für Einsreiseverbot

US-Politik - Am Montag unterschrieb US-Präsident Donald Trump ein neues Dekret zur Verhängung von Einreiseverboten für Menschen aus sechs Ländern. Irak ist nicht mehr dabei... 

US-Zinspolitik: Fed setzt ursprünglichen Kurs fort
US-Zinspolitik: Fed setzt ursprünglichen Kurs fort

US-Konjunktur - Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hält am bisherigen Kurs fest. Die geplante Geldpolitik sieht weitere Zinsanhebungen während des laufenden Jahres vor.... 

US-Regierung kritisiert deutsche Außenhandelsbilanzen
US-Regierung kritisiert deutsche Außenhandelsbilanzen

Wirtschaft - Die Außenhandelsbilanzen der deutschen Wirtschaft geraten ins Visier der US-Regierung. Donald Trump kritisiert die Schieflage in den Handelsbeziehungen zwischen... 


  Weitere Artikel aus dem gleichen Themenbereich

Anstieg Erwerbstätigenzahl im 3. Quartal 2017
Anstieg Erwerbstätigenzahl im 3. Quartal 2017

Konjunktur - Die Zahl der Erwerbstätigen stieg bis zum Ende drittes Quartal 2017 auf rund 44,5 Millionen Menschen. Zugpferd war vor allem die Dienstleistungssparte im öffentlichen... 

Fed weicht Kriterien für Zinsanhebung auf
Fed weicht Kriterien für Zinsanhebung auf

US-Konjunktur - Die US-Notenbank Federal Reserve weicht die selbst gesetzten Kritieren für eine weitere Zinsanhebung auf. Nachdem der Währungshüter keine Erklärung für... 

Zwangsabgabe finanziert Traumgehälter bei Öffentlich-Rechtlichen
Zwangsabgabe finanziert Traumgehälter bei Öffentlich-Rechtlichen

Zwangsgelder - Traumgehälter bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Derlei hohe Einkommen sorgen offenbar für die erwünschte Linientreue besonders in der Abteilung... 

DIW hält starke Zuwanderung für dringend erforderlich
DIW hält starke Zuwanderung für dringend erforderlich

Arbeitsmarkt - Die verstärkte Zuwanderung von Menschen in die Bundesrepublik werde nicht nur Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt haben, sondern sei lt. DIW sogar dringend... 

Ihre Meinung zählt! - Ein paar Zeilen von Ihnen sind uns sehr viel wert.

Wenn Sie zum Thema gerne etwas ergänzen wollen, inhaltliche Fehler entdecken oder völlig anderer Meinung sind: Kurze Sätze sind ebenso willkommen wie "halbe Romane".
Bitte die Netiquette beachten (Regeln)