Freitag, den 29. Juli 2016

Altkanzler Schmidt versteht Angst um stabilen Euro nicht


Schuldenkrise - Euro-Stabilität -

In München traf sich die Bayern-SPD zur einer gemeinsamen Runde, um die gegenwärtigen politischen Fragen zu diskutieren. Als ganz spezieller Gast war Altkanzler Helmut Schmidt geladen, der so manches Verständnis aber auch Unverständnis zu Politik und Bürger äußerte.



Schmidt tadelt Management um Bankenkontrolle

Helmut Schmidt

Altkanzler Helmut Schmidt

Der Altbundeskanzler Helmut Schmidt verstehe nicht, warum die Bundesbürger so große Ängste um die Euro-Stabilität haben. Schließlich sei die Gemeinschaftswährung Euro stabiler als es die D-Mark je gewesen ist.

Altkanzler Helmut Schmidt nahm am Dienstag an der Diskussionsrunde der bayerischen SPD in München teil. Mit dabei war u.a. Christian Ude (SPD), langjähriger Münchener Oberbürgermeister und Kandidat für die nächste Ministerpräsidentenwahl. Der Münchener Merkur (Mittwoch) berichtete in Auszügen über Schmidts Rede.

"Die USA hat sich wieder total erholt"
Schmidt ist der Meinung, dass sich die Finanzbranche in den USA inzwischen wieder "total erholt" hätte und über genauso viel Macht verfüge wie noch vor dem Beginn der Weltfinanzkrise im Jahr 2008. Die Einführung einer EU-Bankenaufsicht würde zwar einen Anfang setzen, dennoch drohe dem Start, von der Realität überholt zu werden. Helmut Schmidt beklagt das nicht eingelöste Versprechen der Politik, die Institute nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman-Brothers stärker zu kontrollieren.

Immer noch Hoffnung, dass gegen den Willen der Banker entschieden wird
Bisher versäumte die Regierung, Regulierungen "gegen den Willen der Bankiers" zu beschließen, so der Altkanzler. Er gäbe die Hoffnung nicht auf, dass die Politik doch einst dazu bereit sein wird, den Banken vorzuschreiben, "was sie dürfen und was sie nicht dürfen".



"Totale Erholung" der USA-Finanzbranche an der Oberfläche

Die Finanzbranche in den USA mag wieder zu ihrer alten Stärke zurückgefunden zu haben. Staatshaushalt und produzierendes Gewerbe berichten allerdings von völlig anderen Entwicklungen.

Der Staat USA wäre schon längst pleite, würde US-Präsident Barack Obama nicht die "erlaubte Schuldengrenze" innerhalb eines kurzen Zeitraums zwei Mal durchgesetzt haben. Ein Kunstgriff, der nur solange funktioniert, wie Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank FED, sich dazu bereit erklärte, bei deflationären Entwicklungen "persönlich Bargeld vom Hubschrauber aus über das Land abzuwerfen".

So lange man die "Finanzbranche auf Wall Street & Co." beschränkt, trifft eine "totale Erholung" zu. Die Banken haben in den USA ein ebenso leichtes Spiel wie in der Euro-Zone. Eigentlich können die Großbanken nicht verlieren und schreiben relativ schnell wieder schwarze Zahlen in ihren Bilanzen.

Gewinne in die eigene Tasche, Verluste an Staat und Steuerzahler abschieben, ein einfaches und effektives Rezept. Die Politik spielt da wie an Fäden gezogen mit. Helmut Schmidt spricht das Problem direkt an. Die Politik müsse sich "endlich dazu überwinden", das Zepter wieder in die Hand zu nehmen, um die Banker wieder in ihre Schranken zu weisen.

Die Teuerungsrate der D-Mark, bzw. des Euros scheint zugunsten der Gemeinschaftswährung zu sprechen. Die Zahlen seit 1992 zeigen tatsächlich einen stabileren Euro als einst die DM. Die Teuerungsrate wird über einen "virtuellen Warenkorb" ermittelt. Der so ermittelte Verbraucherpreisindex beschreibt die durchschnittliche Preissteigerung gegenüber dem Vormonat, bzw. dem Vorjahreszeitraum.

Teuerungsrate ist jedoch nicht mit Inflation zu verwechseln. Eine inflationäre Euro-Entwicklung kann viel höher sein, obwohl die Preise für Lebensmittel und Verbrauchsmaterial nur geringfügig gestiegen sind. "Es kann im Untergrund brodeln" und keiner merkt etwas.

Stabile Preise, dafür "instabile Einkommensentwicklung"
Betrachtet man die relativ stabilen Preise gegenüber die Einkommensentwicklung der letzten Jahre, sieht das Verhältnis wieder ziemlich schlecht für den Euro aus. Das gilt besonders in der Bundesrepublik. Das Einkommen, bzw. die frei verfügbaren Mittel sind in den letzten 10 Jahren deutlich abgesunken. Unterm Strich macht es keinen Unterschied, ob der Verbraucher mit dem gleichen Einkommen mehr Geld für die Ware bezahlen muss, oder bei stabilem Preis das Einkommen schrumpft.

Das Gleiche gilt für Spareinlagen. Man gebe dem Privatanleger einfach weniger Zinsen für sein Geld, möglichst noch weniger als die gegenwärtige Inflation. Das entspricht im Effekt einer Entnahme des Kapitals vom Sparer.



Teuerungsrate 1 Jahr vor und nach Euro-Umstellung

D-Mark - Euro Umstellung

Teuerungsrate nach der Umstellung D-Mark - Euro zum 01.01.2002 (jeweils Veränderungen zum Vormonat)

(Quelle: wiki)


Teuerungsrate zwischen 1992 und 2011

Teuerungsrate 1992-2011

Teuerungsrate zwischen 1992 und 2011 (jeweils Veränderungen zum Vorjahr - Quelle: Destatis)















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